Kampagnen

Seit den 1990er Jahren fĂŒhrt das Jugendrotkreuz regelmĂ€ĂŸig zwei- bis dreijĂ€hrige Kampagnen zu Themen durch, die jungen Menschen unter den NĂ€geln brennen, beispielsweise zu Zukunftschancen von Jugendlichen oder Kinderarmut in Deutschland.
Bei diesen Kampagnen erhalten JRKler/-innen die Möglichkeit, sich im Sinne der Rotkreuzidee konkret fĂŒr andere Menschen zu engagieren. Gleichzeitig machen sie in der Öffentlichkeit auf drĂ€ngende Probleme aufmerksam und fordern VerĂ€nderungen ein.

nach oben

„Deine StĂ€rken. Deine Zukunft. Ohne Druck!”

Kinder und Jugendliche mĂŒssen heute viele Anforderungen erfĂŒllen. Nicht alle kommen damit zurecht. Deshalb will ihnen das Jugendrotkreuz mit seiner aktuellen Kampagne zeigen, wie sie mit dem wachsenden gesellschaftlichen Druck konstruktiv umgehen können.

Gute Noten schreiben, die richtige Berufswahl treffen, Zeit fĂŒr Freunde haben, immer gut drauf sein, mit den Eltern klar kommen, fit und sportlich sein, coole Klamotten tragen – all das versuchen Kinder und Jugendliche gleichzeitig zu bewĂ€ltigen. All das setzt sie aber auch unter Druck, viele haben Zukunfts- und VersagensĂ€ngste.

Mit der Kampagne „Deine StĂ€rken. Deine Zukunft. Ohne Druck!“ wollen die Jugendrotkreuz-Organisationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg Kinder und Jugendliche stĂ€rken, mit Druck konstruktiv umzugehen. Sie sollen die Möglichkeit erhalten, ihr StĂ€rken ohne Druck zu entdecken und ihre FĂ€higkeiten zu testen. Gleichzeitig setzen sich JRKler/-innen dafĂŒr ein, den steigenden Druck kritisch zu hinterfragen und Kindern und Jugendlichen ein besseres Aufwachsen zu ermöglichen.

Publikationen und Material


Weitere Infos, Aktionen, Ideen und Unterrichtsmaterialienrund um die Kampagne
„Deine StĂ€rken. Deine Zukunft. Ohne Druck!”
findet Ihr auf

http://www.deine-staerken.org

nach oben

„ARMUT: SCHAU NICHT WEG!“ (2004-2007)

Armut ist in Deutschland keine Randerscheinung mehr. Jedes siebte Kind ist mittlerweile arm. Ihnen wird dadurch schon frĂŒh der Weg in die Gesellschaft erschwert. Das wollen wir nicht hinnehmen. Deshalb machen wir uns seit 2004 fĂŒr arme Kinder und Jugendliche in Deutschland stark.

Ausgangssituation

Besonders Kinder und Jugendliche sind immer hĂ€ufiger von Armut betroffen. Als das Jugendrotkreuz 2004 die Kampagne „ARMUT: SCHAU NICHT WEG!“ startete, waren 37 Prozent der damals drei Millionen SozialhilfeempfĂ€nger/-innen unter 18 Jahren alt. Jedes siebte Kind/jeder siebte Jugendliche lebte in einer Familie, die weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur VerfĂŒgung hat.

Armut wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus

Doch nicht nur das Einkommen spielt eine Rolle, denn Armut wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus. Arme Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche haben oft weniger soziale Kontakte und weniger Freunde, ihre Aussichten fĂŒr die schulische und berufliche Ausbildung sind schlechter, sie leiden stĂ€rker unter körperlichen und seelischen Belastungen und haben weniger Freizeitmöglichkeiten, um solche Belastungen auszugleichen.

Das Jugendrotkreuz wollte diese Situation nicht lÀnger hinnehmen. Drei Jahre lang hat sich der Verband deshalb mit Armut in allen Lebensbereichen auseinandergesetzt, hat seine Mitglieder mobilisiert, Aktionen und Projekte gestartet, Medien herausgegeben, das GesprÀch mit politisch Verantwortlichen gesucht. Und darum gekÀmpft, dass Kinder- und Jugendarmut in Deutschland als Problem wahrgenommen und anerkannt wir

Ziele und Ergebnisse

JRKler/-innen machten im Mai 2005 in Berlin-Neukölln lautstark auf Kinder- und Jugendarmut in Deutschland aufmerksam

Die drei Ziele der Kampagne waren:

1. Wir wollten erreichen, dass in Deutschland Kinder- und Jugendarmut als Problem erkannt und breit darĂŒber diskutiert wird. Wir wollten, dass in der Politik ein Umdenken stattfindet und mehr Ressourcen fĂŒr Kinder und Jugendliche bereitgestellt werden.

2. Wir wollten arme Kinder und Jugendliche mit konkreten Projekten unterstĂŒtzen, um vor Ort die negativen Folgen von Armut fĂŒr junge Menschen zu verringern, z.B. durch kostengĂŒnstige Freizeiten, Ferienaktionen fĂŒr Daheim-Gebliebene oder Sprachpartnerschaften fĂŒr Migrantinnen und Migranten.

3. Wir wollten unseren eigenen Umgang mit Geld und Konsum im Jugendrotkreuz hinterfragen und erreichen, dass alle Kinder und Jugendliche die Angebote des Jugendrotkreuzes nutzen können, egal ob sie arm oder reich sind.

Ergebnisse

Alle 19 LandesverbĂ€nde des Roten Kreuzes beteiligten sich an der Kampagne, in ĂŒber 170 StĂ€dten fanden mehr als 300 grĂ¶ĂŸere Aktionen zum Thema statt. Mehr als 8500 Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter nutzten die Arbeitshilfe zur Kampagne. Mehrere Bundes- und unzĂ€hlige Landes- und Kreiswettbewerbe standen unter dem Thema. Die beiden Unterrichtseinheiten „Ohne Moos nix los“ und „Reiches Land – arme Kinder“ gingen an 17 000 Schulen im gesamten Bundesgebiet. Über 7000 Mal wöchentlich wurde auf die Homepage www.schaunichtweg.de zugegriffen. Die Fotoausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ war in insgesamt 20 StĂ€dten zu Gast.

Zahlen ĂŒber Zahlen, die sehr eindrucksvoll belegen, wie sehr sich das Jugendrotkreuz engagierte, um dem Thema Kinder- und Jugendarmut in Deutschland eine Lobby zu verschaffen. Und darĂŒber hinaus konkret Hilfe zu leisten – auch in Zusammenarbeit mit anderen Bereichen des Roten Kreuzes, aber auch zusammen mit der Schirmherrin Renate Schmidt, die zu der Zeit Bundesfamilienministerin war, den Botschaftern Jette Joop, Christian Berg und der Band „Die dritte Generation“ sowie einem wissenschaftlichen Kampagnenbeirat.

Publikationen und Materialien

Zur Umsetzung von „ARMUT: SCHAU NICHT WEG!“ wurden zahlreiche Materialien, eine Arbeitshilfe, Unterrichtseinheiten, Werbemittel sowie eine zusammenfassende Dokumentation erarbeitet. Weitere Infos darĂŒber gibt's hier.

nach oben

JRK grenzenlos gemeinsam – wir verbinden Menschen (2003 – 2004)

Postkarten zum Jahresthema, gestaltet von JRK-Gruppen beim Landeswettbewerb 2003 der Stufe III

„Grenzenlos gemeinsam – wir verbinden Menschen“ so lautete unser Motto, mit dem wir in die Jahre 2003/2004 gegangen sind. Nachdem wir uns in den zurĂŒckliegenden zwei Jahren intensiv mit dem Thema Gewalt beschĂ€ftigt hatten, wollten wir nun einen weiteren Baustein unserer zukunftsweisenden Konzeption 007 aufgreifen. Das, was dort unter dem Oberbegriff „Interkulturelles Lernen“ umrissen wird, greift auf die internationalen Wurzeln des Jugendrotkreuzes zurĂŒck.

GemĂ€ĂŸ unseren GrundsĂ€tzen begreifen wir uns immer schon als eine weltumspannende Gemeinschaft, die weder Königen dient, sich Ideologien verschreibt oder Grenzen akzeptiert. Bei uns steht hingegen der Mensch im Mittelpunkt, ohne RĂŒcksicht auf Herkunft, Hautfarbe oder NationalitĂ€t. Den einzelnen Menschen dabei zu verbinden, ist mehr als vielfach angenommen die bloße Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung.

Unser Anliegen ist es, jung mit alt zu verbinden, Fremdes mit Bekanntem, arm mit reich, Tradition mit Visionen und vieles mehr. Angesichts der vielbeschworenen Globalisierung, in der der einzelne Mensch oftmals nur noch als Humankapital vorkommt, wollten wir das deutliche Zeichen setzen, dass Globalisierung voneinander lernen heißt: Von jedem Menschen, mit all seinen StĂ€rken und SchwĂ€chen, egal ob hier im eigen Land oder draußen in der Welt. Dabei eine tragfĂ€hige BrĂŒcke zu bauen, ist unsere große Herausforderung, die wir damals und heute annehmen wollen.

Publikationen und Material

PDF: Konzeption 007 (124 kb)

Unter dem Titel „Karneval der Kulturen“ fand 2004 die Auftaktveranstaltung zum Jahresthema „Grenzenlos gemeinsam – wir verbinden Menschen“ statt.

An dieser Stelle möchten wir die Ergebnisse aus den Workshops vorstellen und zum Download anbieten:

Workshop „Öffentlichkeitsarbeit / Wie gewinne ich auslĂ€ndische Kinder und Jugendliche fĂŒr unseren Verband“
Dokumentation
(PDF, 224KB)

Workshop „Internationale Kontakte/Begegnung“
Dokumentation
(PDF, 185KB)

Workshop „Maskerade“
Dokumentation
(PDF, 206KB)

Workshop „Spiele“
Dokumentation
(PDF, 206KB)

Gesellschaftsspiele im Mittelalter
(PowerPoint, 4 MB)

nach oben

Bleib' COOL ohne Gewalt! (2001 bis 2003)

Gewalt hat viele Gesichter. Ob Mobbing in der Schule, Jackenabziehen beim Sport oder SchlĂ€gereien auf offener Straße: Gewalt ist an der Tagesordnung. Doch mit Gewalt löst man keine Probleme. Mit unserer Kampagne haben wir uns dafĂŒr eingesetzt, dass Konflikte offen und nicht mit Faust oder Messer ausgetragen werden.

Die zunehmende Gewaltbereitschaft ist zu einem großen Problem unserer Gesellschaft geworden. Mobbing in der Schule, Pöbeleien in der S-Bahn und Jackenabzieherei im Jugendclub stehen an der Tagesordnung. Immer weniger Kinder und Jugendliche sind in der Lage, Konflikte gewaltfrei auszutragen. Dabei sind Konflikte grundsĂ€tzlich nichts Negatives, schließlich sind sie Anlass und Möglichkeit, andere Meinungen wahrzunehmen, Anschauungen zu ĂŒberdenken und das eigene Tun zu verĂ€ndern. Aber immer hĂ€ufiger werden sie unterdrĂŒckt oder mit Gewalt beantwortet, statt offen ausgesprochen. Um dagegen etwas zu tun, hat das Jugendrotkreuz im Mai 2001 unter dem Motto "Bleib‘ COOL ohne Gewalt!" eine bundesweite Kampagne zum Thema GewaltprĂ€vention gestartet.

Ziele und Ergebnisse

Mit der Kampagne wollten wir folgende Ziele erreichen:

1. Kinder und Jugendliche fĂŒr das Thema Gewalt sensibilisieren,
2. die konstruktive KonfliktfÀhigkeit von Jugendlichen fördern,
3. Handlungsmöglichkeiten entwickeln, die eine Alternative zu Gewalt darstellen,
4. die Bildung von Netzwerken fördern, die Hilfen fĂŒr Betroffene anbieten.

Im Rahmen der Kampagne haben wir beispielsweise ein bundesweites Streitschlichter-Programm entwickelt, bei dem wir Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie Streitigkeiten auch ohne PrĂŒgel und Hass-Parolen schlichten können. Dieses Programm haben wir nicht nur in unseren Gruppenstunden durchgefĂŒhrt, sondern auch in die Schulen gebracht. SchĂŒler/-innen können sich dort zu Streitschlichtern ausbilden lassen und vermitteln dann bei Konflikten zwischen MitschĂŒlern.

Puplikationen und Material


Im Rahmen der Kampagne sind zahlreiche Publikationen entstanden, von der Arbeitshilfe fĂŒr Gruppenleiter/-innen, ĂŒber die BroschĂŒre "Recht gegen Rechts", den Kurzfilm "Respekt" bis hin zur Kampagnendokumentation.

Einen Überblick ĂŒber die Publikationen gibt's hier. Die (Werbe-)Materialien und das Logo haben wir hier.

nach oben

Fit4Life – Stoppt die Gewalt (2001 – 2002)

„Fit4Life – Stoppt die Gewalt“ – so hieß das Thema, das uns in den Jahren 2001 und 2002 durch unsere Seminare, Aktionen und Veranstaltungen hindurch begleitete. Wir mussten in dieser Zeit – nicht zuletzt durch Ereignisse wie dem 11.September 2001 oder dem Amoklauf eines SchĂŒlers in Erfurt – erkennen wie wichtig und aktuell dieses Thema leider ist.

Was bleibt im RĂŒckblick ĂŒbrig von unseren Aktionen und Materialien? Wir möchten hier einige Highlights vorstellen.

Der JRK-Anti-Gewalt-Koffer

Der Anti-Gewalt-Koffer beinhaltet Materialien und Anregungen zur Vermittlung des Themas. Wir haben ihn damals eigens fĂŒr das Jahresthema zusammengestellt und verleihen ihn weiterhin an interessierte JRK-Gruppen.

Konzept des Koffers

Paul und Paula sind die kindgerechten Identifikationsfiguren des Anti-Gewalt-Koffers. Sie sind im ganzen Landesverband Nordrhein und darĂŒber hinaus bekannt und stehen fĂŒr den Einsatz des Jugendrotkreuzes gegen Gewalt im weitesten Sinne und fĂŒr die wichtigen Lernerfahrungen, die Kids in einer Gruppe des JRK sammeln. Dort ist der Raum, um soziales Verhalten zu trainieren, in einem geschĂŒtzten Raum seine eigenen GefĂŒhle zu erkunden, Grenzen auszutesten und zu lernen, andere Menschen zu respektieren.

Ausleihmodus

Der Koffer kann – nach vorheriger Absprache Bestellung – im Landesverband persönlich abgeholt werden.

Modellfunktion

Der Koffer hat Modellfunktion – optimal wĂ€re es, fĂŒr die eigene JRK-Gruppe oder den Kreisverband einen eigenen Koffer zusammenzustellen. Unser Koffer will Anregungen zur GewaltprĂ€vention bieten. NatĂŒrlich wird jeder Kreisverband, jede Gruppe ihre spezifischen Inhalte entwickeln wollen. Deshalb können die Ausleiher im Koffertagebuch ihre Anregungen, Erfahrungen und WĂŒnsche hinterlassen.

Details zum Download

Der Tina & Albert – Schreibwettbewerb

zum Jahresthema 2001/2002 „Fit4Life – Stoppt die Gewalt“ lief von Mai bis Dezember 2001. Monatlich konnten
alle JRK Kindergruppen Ihre Fortsetzung einreichen, die beste wurde von uns veröffentlicht.
Vielen Dank an alle Gruppen, die sich daran beteiligt haben!

Wir möchten hier nun die komplette Geschichte in einem StĂŒck veröffentlichen – als RĂŒckblick auf unser
Jahresthema und vielleicht als Anregung, das Thema Gewalt auch in Zukunft noch einmal in der Arbeit mit Eurer
JRK-Kindergruppe aufzugreifen. Hier könnt ihr die Tina & Albert - Geschichte als PDF herunterladen.

Gedanken zu den Kampagnen-Plakaten

Der Aachener KĂŒnstler Detlef Kellermann hat fĂŒr das JRK drei Plakate zum Jahresthema „Fit4Life – Stoppt die Gewalt“ entworfen. Kellermann, 1957 in Hildesheim geboren, ist ein versierter GeschichtenerzĂ€hler und Meister der Pointe. Viele Jahre hat er als erfolgreicher Illustrator gearbeitet. KellermĂ€nner können uns in mehr als vierzig renommierten Zeitschriften und auf zahlreichen Buchcovern begegnen.

Die drei ausgesuchten Motive unserer Plakatserie eignen sich u.a. fĂŒr den Schulunterricht und dort vielleicht sogar fĂŒr eine eigene Interpretationsstunde oder einen Aufsatz. Wir vom JRK haben mehr als eine Interpretation. Viele Betrachter assoziieren spontan ihre eigenen Bilder und Erfahrungen mit den drei Motiven. Manchmal gibt es aber auch Fragen, zum Beispiel, warum wir so eine Art  „Monster“ auf einem Plakatmotiv haben. Es gibt viele Facetten von Gewalt, alle konnten wir nicht auf den Plakaten darstellen. Aber auch diese drei Motive haben es in sich. Man muss sich nur mit Ihnen auseinandersetzen, dann wandelt sich oft der erste Eindruck. Was wir zeigen wollen, ist auf jeden Fall, dass es Möglichkeiten gibt, sich zu wehren und aktiv einzugreifen.

Albtraum

Das Szenario: Ein dunkler, bedrohlich wirkender Raum mit hohen WĂ€nden, die wie auf einer Schultafel ĂŒber und ĂŒber mit Zeichnungen bekritzelt sind.

Zwischen Bruchrechnungen und einer algebraischen Aufgabe ist eine Vergewaltigungsszene und die Darstellung einer Kindesmisshandlung durch einen Erwachsenen zu erkennen.

Unten, in der Mitte, hat sich eine TĂŒr geöffnet, durch die helles, sonniges Licht ins Dunkel kommt. Ein kleiner Junge betritt den Raum. Erschrocken registriert er die ungeheuerliche Umgebung und versucht Halt an der TĂŒrkante zu finden. Ist er in einem Klassenzimmer, in einer phantastischen Folterkammer oder in einem Albtraum gelandet? – Auf jeden Fall bringt er Licht ins Dunkel und damit einen Hoffnungsschimmer


Amazone

Ein tanzendes MĂ€dchen, die Lippen so herzig rot wie der Pullover, betritt die Szene. Alles andere als mĂ€dchenhaft verbannt diese wilde Amazone schon durch ihre Körperhaltung die bösen Geister, die ĂŒberall im Hintergrund lauern.

Eine Armee Schwerter schwingender Gestalten marschiert auf den Betrachter zu. Es sind seelenlose Fratzen mit toten Augen, Vampir- und HaifischzÀhnen, umgeben von TotenschÀdeln und Gebein.

Nur in Strichen angedeutet, stehen sie fĂŒr Angst- und Gewaltphantasien, denen das mutige MĂ€dchen den Garaus macht. Symbolisch bricht sie mit einer Lanze den Stab ĂŒber die Gewalt.

Amok

Eine Art weißes Gespenst, dessen gesichtsloses Antlitz nur durch zwei Augenschlitze charakterisiert ist, dominiert den Raum. Dieses unbeweglich und kompakt dastehende Wesen hat keinen kindlichen, keinen menschlichen Ausdruck. Der fehlende Mund verweist auf Sprachlosigkeit und auf die UnfĂ€higkeit zu kommunizieren und spontan mit anderen in Kontakt zu treten.

Im Hintergrund sieht man die weißen Silhouetten der bisherigen – oder kĂŒnftigen – Opfer dieses Kraftpakets: Die kleinen Jungen und MĂ€dchen sind in der Körpermitte mit einer roten Zielscheibe versehen, beinahe schon vorbereitet fĂŒr einen AmoklĂ€ufer. Das Monster, eine Knarre in der Linken, hat ihnen den RĂŒcken gekehrt und stellt sich dem Betrachter. Ist es wirklich eine Bedrohung oder klagt es (auch) an? Die Waffe jedenfalls ist noch nicht schussbereit und liegt schlaff in seiner Hand. Die Unbeweglichkeit seines Körpers kann auch Zeichen einer Depression sein, vielleicht ist dieser TĂ€ter zugleich ein Opfer seiner Umwelt?

nach oben

“Youth must act” (1999 bis 2001)

Auch wenn die Rekrutierung von Kindersoldaten weltweit verboten ist, werden in einigen LĂ€ndern immer noch Kinder verschleppt und in der Armee oder von bewaffneten Gruppen als Handlanger missbraucht. Deshalb haben wir uns mit unserer Kampagne „Youth must act“ von 1999 bis 2001 dafĂŒr stark gemacht, dass Kinder ĂŒberall auf der Welt friedlich aufwachsen können.

Ausgangssituation

1999 werden weltweit mehr als 300.000 Kinder und Jugendliche als Kindersoldaten missbraucht. Sie werden zum Teil legal rekrutiert, zum Teil gegen ihren Willen entfĂŒhrt oder erpresst. Immer wieder werden Kinder gezwungen, ihre eigenen Familien zu erschießen, damit ihnen jede Möglichkeit zur RĂŒckkehr in die vertraute Umgebung versperrt ist. Alkohol und Drogen sollen sie willig machen. Bevor sie an die Front geschickt werden, sind EinsĂ€tze als Boten, TrĂ€ger oder Spione ĂŒblich. Aufgrund ihres geringen Körpergewichts werden sie außerdem hĂ€ufig zum RĂ€umen von Minenfeldern gezwungen, eine Aufgabe, bei der sehr viele Kinder schwer verletzt werden oder sterben. Auch MĂ€dchen werden - wenn auch in geringerer Zahl als Jungen - eingezogen. Sie mĂŒssen in der Regel nicht an der Front kĂ€mpfen, sondern den Soldaten im Lager als Köchinnen oder Prostituierte dienen. Leib und Leben dieser Kinder sind extrem gefĂ€hrdet. Auch Jahre nach ihrem Einsatz als Kindersoldaten leiden sie schwer an den physischen und psychischen Traumata, so dass eine RĂŒckkehr in ein ziviles Leben kaum möglich ist.

1999 ist die Rekrutierung von Jugendlichen unter 18 Jahren rechtlich gestattet. Das "Internationale Übereinkommen ĂŒber die Rechte des Kindes", die sog. "Kinderkonvention" von 1989, erlaubt in Artikel 38 Absatz 2, den Einsatz von 15-JĂ€hrigen als Soldaten. Das ist viel zu jung, finden zahlreiche Staaten. Auch das Internationale Rote Kreuz spricht sich dafĂŒr aus, das Mindestalter auf 18 Jahre anzuheben. Sowohl das Internationale Komitee vom Roten Kreuz als auch die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften nehmen aktiv an einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen teil, die sich fĂŒr die Einrichtung eines Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention stark macht; Ziel ist es, die Rekrutierung von Kindern unter 18 Jahren und ihre Teilnahme an bewaffneten Konflikten zu verbieten.

Ziele und Ergebnisse

Die Rekrutierung von Kindern unter 18 Jahren und ihrer Teilnahme an bewaffneten Konflikten soll verboten werden.
Wir wollen betroffenen Kindern und Jugendlichen helfen.
Wir wollen sowohl unsere Mitglieder als auch die externe Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen.
Seit dem 12. Februar 2002 ist ein Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention in Kraft, das die Rekrutierung von unter 18-JĂ€hrigen verbietet. Kindersoldaten sind damit illegal und dĂŒrfen nicht mehr in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden. Dass das Protokoll zustande kam und in Kraft getreten ist, ist auch zum Teil der Erfolg des JRK. Gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen, beispielsweise terre des hommes oder UNICEF, haben wir uns auf nationaler und internationaler Ebene fĂŒr das Verbot von Kindersoldaten eingesetzt. 1999 und 2000 haben Jugendrotkreuzler/-innen in ganz Deutschland beispielsweise Postkarten an verantwortliche Politiker des Deutschen Bundestages geschrieben und sie aufgefordert, sich fĂŒr das Verbot von Kindersoldaten stark zu machen. Auch dieses Engagement hatte schließlich Erfolg: im September 2004 wurde das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention endlich auch von Deutschland ratifiziert, d.h. in deutsches Recht umgewandelt. Leider blieb die Bundesregierung dabei hinter der "straight eighteen"-Forderung zurĂŒck und verstĂ€ndigte sich darauf, das Mindestalter fĂŒr den freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr bei 17 Jahren zu belassen. In einem Schreiben versicherte Bundesfamilienministerin Renate Schmidt der JRK-Bundesleitung, sich dennoch weiterhin fĂŒr die Anhebung des Mindestalters auf 18 Jahren einzusetzen.

Um betroffenen Kindern und Jugendlichen zu helfen, haben wir Spenden fĂŒr ein Straßenkinderzentrum in Kigali (Ruanda) gesammelt, in dem ehemalige Kindersoldaten betreut werden. Und die Öffentlichkeit und unsere Mitglieder haben wir bei verschiedenen Veranstaltungen, durch zahlreiche Publikationen und Materialien und Pressemitteilungen immer wieder auf die schreckliche Situation der Kindersoldaten aufmerksam gemacht.

Das Hilfsprojekt: ein Straßenkinder-Zentrum in Ruanda

Mit den Spenden aus Deutschland konnte das Straßenkinder-Zentrum in Ruanda ehemaligen Kindersoldaten eine neue Heimat geben.

Von 1999 bis 2004 haben deutsche Jugendrotkreuzler/-innen ein Straßenkinder-Zentrum in Kigali (Ruanda) mit Spenden unterstĂŒtzt. Im "Centre de la Jeunesse"; bekommen Kinder, die durch den BĂŒrgerkrieg in Ruanda ihre Familien verloren haben oder als Kindersoldaten missbraucht wurden, Hilfe: Sie können hier eine Ausbildung machen, werden spĂ€ter bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstĂŒtzt und lernen spielerisch, wieder ein Leben ohne Gewalt und Drogen zu fĂŒhren. Viele Kinder finden mit Hilfe des Straßenkinder-Zentrums den Weg zurĂŒck in ihre Familien.

Mit dem Spendengeld aus Deutschland - insgesamt ĂŒber 14.000 Euro - konnte das Straßenkinder-Zentrum Fischteiche und StĂ€lle anlegen sowie Hasen, Enten und GymnastikgerĂ€te kaufen. Die Straßenkinder haben außerdem 250 Legehennen angeschafft, die sie eigenstĂ€ndig versorgen und deren Eier sie verkaufen. Mit dem Erlös kann das Zentrum ihnen ein kleines Einkommen zahlen und seine eigenen Finanzen langfristig stabilisieren.

Publikationen und Materialien

Im Rahmen der Kampagne haben wir Publikationen, beispielsweise eine Arbeitshilfe fĂŒr Gruppenleiter, und zahlreiche (Werbe-) Materialien erstellt.

Einen Überblick ĂŒber die Publikationen gibt's hier. Die (Werbe-)Materialien und das Logo haben wir hier zusammengestellt.

 

ZurĂŒck zur Übersicht